Der Körper in den Wechseljahren: Was es bedeutet, wenn er sich verändert
„Ein passender BH ist sehr wichtig“, betont Dr. Judith Bildau. Nicht weil unbequeme Wäsche Brustkrebs verursachen kann, wie fälschlicherweise immer wieder behauptet wird. „Sondern weil dadurch unter anderem Verspannungen und Schiefhaltungen entstehen können.“ Gerade in den Wech- seljahren wird die Brust häufig größer. Deshalb: „Lassen Sie sich im Fachgeschäft beraten. Untersuchungen zeigen, dass die Mehrzahl der Frauen keinen passenden BH trägt.“
„Geruchloser, klarer Ausfluss ist nicht behandlungsbedürftig“, versichert die Ärztin. Wenn die Schleimproduktion zu Beginn der Wechseljahre steigt, ist häufig ein Überschuss des Hormons Östrogen dafür verantwortlich.
„Nimmt das Östrogen später ab, ist die Vagina schlechter durchblutet. Auch die natürlichen Milchsäurebakterien können sich nicht mehr so gut vermehren, sodass sich Keime leichter ansiedeln können.“ Verändert sich dadurch der Ausfluss in seiner Farbe und riecht anders, sollten Sie zur Frauenärztin gehen. Liegt eine Infektion vor, richtet sich die Behandlung nach dem Erreger (z. B. Pilz oder Bakterien). Vorbeugend kann die Frauenärztin lokal angewendetes Östrogen oder Milchsäure-Zäpfchen verschreiben.
„Keine Panik“, beruhigt die Ärztin, „ein positiver Befund ist nicht mit einer Krebserkrankung gleichzusetzen.“ Jetzt ist es wichtig herauszufinden, warum der Zellabstrich vom Gebärmutterhals auffällig ist. Haben Bakterien die Zellen verändert, reicht meist eine einzige Behandlung, etwa mit einem Antibiotikum. „Eine Infektion mit dem HPV (Humanes Papillomavirus) ist etwas komplizierter“, denn das kann auf ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterhalskrebs hinweisen, also eine Krebsvorstufe. „Sind die Veränderungen nicht weit fortgeschritten, warten Ärzte zunächst ab und kontrollieren den Verlauf. Manchmal sind auch weitere Untersuchungen sinnvoll, etwa eine Kolposkopie“. Dabei wird der Gebärmutterhals mit einer Art Mikroskop genauer betrachtet und im Zweifel eine Gewebeprobe entnommen. „Viele Infektionen verschwinden von allein wieder. Falls nicht, können die veränderten Zellen operativ entfernt werden.“
Sinkt das Östrogen, schwitzen wir mehr und das Testosteron, das auch Frauen produzieren, wirkt stärker. Dr. Bildau: „Die Schweiß- und Talgdrüsen sind aktiver, das Sekret verändert sich und riecht durch den Kontakt mit Hautbakterien anders.“
„Das liegt vor allem am schwankenden Östrogenspiegel“, erklärt die Frauenärztin. Das Hormon regt den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut an, Progesteron stabilisiert sie. Sind die Östrogenwerte in den Wechseljahren erhöht, reicht das Progesteron nicht mehr aus, um die Schleimhaut stabil zu halten. Deshalb wird die Menstruation stärker. „Sie kann aber auch deutlich früher einsetzen oder kürzer dauern. Auch Schmierblutungen sind möglich.“
„Ich empfehle immer, das ärztlich abklären zu lassen. Wenn ungewollt Urin abgeht, gibt es verschiedene Ursachen und dafür auch Therapien“, so Dr. Bildau. Häufig ist es Stress-Inkontinenz. Grund dafür ist meist ein geschwächter Beckenboden, den Sie mit passender Gymnastik wieder stärken. „Auch hier können Östrogenzäpfchen oder -cremes sinnvoll sein, denn ein Mangel des Hormons kann das Problem weiter verstärken.“ Viele Frauen fühlen sich außerdem sicherer, wenn sie Inkontinenz-Einlagen verwenden. „Slip-Einlagen allein reichen nicht.“
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