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Weil sie nach wie vor eine bessere Rendite liefern als klassische Spar-Verträge und verlässlich auch die Geld-Entwertung durch die Inflation ausgleichen.
Beispiel: Wer aktuell 25.000 Euro als Festgeld für 3 Jahre anlegt, erhält pro Jahr selbst bei guten Banken im europäischen Ausland 2,8 bis 2,9 %, bei einjähriger Anlage sind es maximal 2,7 bis 2,8 % Zins, bei Tagesgeld etwa 3 % Bei etwa 2 % Inflation bleibt eine Rendite von vielleicht 1 %. Ein x-beliebiger Aktien-ETF auf den bekanntesten MSCI World Index brachte im letzten Jahr etwa 23 % Gewinn. Im Schnitt der letzten 50 Jahre waren es jährlich bei ETFs auf diesen Index gut 7 %.
Ausgeschlossen ist dies nicht.
Denn klassische ETFs investieren in Aktien – der Fonds kauft Aktien von Unternehmen. Und so wie der Aktien-Kurs eines Unternehmens sinken kann, kann dies auch bei ETFs der Fall sein. Aber: Ein ETF enthält nicht nur die Aktien eines Unternehmens, sondern von vielen. Und dass die Kurse von allen Firmen eines ETF und über längere Zeit sinken, ist unwahrscheinlich. Gleichwohl kann ein ETF auch ins Minus rutschen – ETFs auf den deutschen MDax passierte dies 2023; die Verluste wurden aber 2024 mehr als wettgemacht.
Weltweit gibt es unzählige Aktien-Indizes, am bekanntesten ist der MSCI World, den viele ETFs abbilden. Doch es gibt weitere Indizes, die noch breiter die Geldanlage streuen, das heißt das Geld auf noch mehr Länder und noch mehr Unternehmen verteilen.
Index | Länder | Unternehmen |
|---|---|---|
MSCI World | 23 | 1600 |
MSCI ACWI | 47 | 2760 |
MSCI ACWI IMI | 47 | 8847 |
FTSE All-World | 49 | 4165 |
Solactive GBS Global Markets Large & Mid Cap | 49 | 3468 |
Weltweit gibt es mehr als 10 000; in Deutschland sind gut 2 120 ETFs verfügbar.
Und jeder ETF hat einen anderen Anlage-Schwerpunkt – sowohl bei der Größe bzw. Branche der Firmen, deren Dividendenpolitik oder Region, in der sie ansässig sind. Ratsam für alle, die längerfristig Geld möglichst effektiv anlegen möchten, sind Aktien-ETFs, die das Geld möglichst breit und weltweit anlegen. Zum Vergleich: Ein ETF auf den Deutschen Aktien-Index (DAX) legt das Geld in den 40 Firmen des DAX an; ein ETF auf den MSCI World in gut 1 600 Firmen in 23 Ländern. Und es gibt Aktien-ETFs, die in noch mehr Firmen und Länder investieren.
Für fast alle Länder der Welt und Branchen gibt es sog. Index-Werte. Der Deutsche Aktien-Index (DAX) umfasst z. B. 40 Werte.
Diese 40 Aktien haben aber nicht den gleichen Anteil am DAX, sondern berücksichtigt wird u. a. der Kapitalwert der Firmen. Den größten Anteil hat aktuell SAP mit 13,28 %, den geringsten Anteil der Mode-Hersteller Zalando mit 0,35 %. Bekannte Firmen wie Allianz haben einen Anteil von 6,8 %, Mercedes von 2,48 %, BASF von 1,94 %, Deutsche Bank von 3,03 % (Index-Aufteilung von September 2025). Wer nun für 100 Euro einen DAX-ETF kauft, erwirbt im übertragenen Sinn für 1,94 Euro BASF-Aktien, für 2,48 Euro Mercedes- und für 13,28 Euro SAP-Aktien. Steigt nun an der Börse der Wert der BASF-Aktie, steigt (entsprechend dem Anteil von BASF am DAX) auch der DAX und damit ein ETF auf den DAX. Durch kontinuierlich steigende oder auch fallende Kurse bei einzelnen Firmen ist ein ETF also ständig gezwungen, Aktien automatisch zu kaufen bzw. zu verkaufen, um den Index ständig korrekt abzubilden. Berechnet wird der Index, also der DAX, börsentäglich elektronisch auf Basis des elektronischen Handelssystems Xetra. Was bei 40 Kursen des DAX der Fall ist, funktioniert auch mit Tausenden Kursen weltweit. All diese Kauf- und Verkauf-Signale geschehen automatisch, werden nicht von einem Fonds-Management bewusst ausgeführt. Das unterscheidet ETF von klassischen Aktien-Fonds, bei denen Fonds-Manager entscheiden, welche Aktien gekauft bzw. verkauft werden bzw. ob sogar Bargeld gehortet wird.

Für ETFs spricht, dass die Renditen höher sind und man sehr flexibel agieren kann – beim Einzahlen wie beim Auszahlen – und dass die Laufzeiten beliebig angepasst werden können
Das stimmt, es gibt auch ETFs auf Gold oder Staatsanleihen oder Mischformen. Vergleicht man die einzelnen ETFs,
schneiden Aktien-ETFs im langjährigen Vergleich deutlich besser und vor allem sicherer ab. Natürlich kann es einzelne Jahre geben, in denen Renten- oder Rohstoff-ETFs mal besser abschneiden – langfristig liefern Aktien-ETFs die verlässlichere Rendite.
Grundsätzlich sind breit streuende Aktien-ETFs immer uneingeschränkt empfehlenswert
– sagen selbst Verbraucherschützer oder Stiftung Warentest. Insofern ist es fast egal, welcher ETF gewählt wird, zumal sich ETFs, z. B. auf den MSCI World, ohnehin alle auf den gleichen Index beziehen. Gleichwohl gibt es mehrere Fragen, die man sich vor dem Abschluss stellen sollte:
Wo soll das Geld angelegt werden? Also Branche, Region, Art der Firmen. Je spezieller der Fokus, desto größer die Chance, aber auch das Risiko. Sinnvoll ist immer eine möglichst breite Anlage, deshalb einen großen Index wählen.
Sollen Erträge ausgezahlt oder wieder angelegt werden? Ausschüttende ETFs zahlen die Dividenden, die der Fonds erhält, regelmäßig aus; thesaurierende ETFs legen die Dividenden wieder an, nutzen also den Zinses-Zins-Effekt. Bei längerfristiger Anlage sind wiederanlegende ETFs sinnvoller.
Soll der ETF die Aktien tatsächlich kaufen oder sich nur die Rechte an den Aktien sichern? ETFs, die den Index physisch nachbilden, also die Aktien tatsächlich besitzen, sind eine Nuance sicherer als ETFs, die den Index synthetisch nachbilden und über SWAP-Geschäfte Rechte besitzen.
Generell gilt: Je breiter der Index, auf den sich der ETF bezieht, desto besser.
Verbraucherschützer empfehlen weiter z. B. ETFs auf den MSCI World, auch wenn es dort ein Übergewicht an amerikanischen Aktien gibt. Deshalb einen Sparplan nicht nur auf einen ETF starten, sondern die Spar-Rate auf zwei, drei oder vier ETFs verteilen. Eine Liste mit empfehlenswerten ETFs (s. re.) findet sich auf unserer Internet-Seite.

Wer nach Alternativen zum MSCI World sucht, sollte den Index FTSE All-World oder den Index MSCI ACWI IMI wählen, in denen auch Schwellenländer bzw. kleinere oder mittlere Unternehmen enthalten sind
Hier gibt es mehrere Details, die wichtig sind:
► Währung: ETFs werden in unterschiedlichen Währungen angeboten, teils gibt es identische ETFs in Dollar und Euro. Um Währungs-Risiken zu verringern, sind ETFs in Euro sicherer – so hatten ETFs auf den MSCI World in Dollar in diesem Jahr deutlich geringere Zuwächse als die gleichen ETFs in Euro, weil der Kurs des Dollar gegenüber dem Euro sank. Aber es gab in der Vergangenheit auch den umgekehrten Fall. Langfristig zeigen sich keine Unterschiede.
► Größe des ETFs: Je mehr Volumen, also je mehr Geld in einem ETF, desto besser. Denn dann werden Anteile rege gehandelt, sodass der Fonds liquide ist und jederzeit Anteile schnell verkauft werden können.
► Alter des ETFs: In den letzten Jahren wurden sehr viele ETFs neu aufgelegt. Sparer können also bei vielen ETFs weniger lang in die Wertentwicklung der vergangenen Jahre schauen, um den langfristigen Erfolg des ETF zu sehen – auch wenn dies keine Garantie für die Zukunft ist.
► Zahl der Unternehmen: Bei einem großen Index spielt die Zahl der Firmen, von denen der ETF Aktien hält, keine Rolle. Wird aber ein Länder- oder Branchen-ETF gekauft, ist dies wichtiger. Denn: Je weniger Firmen ein ETF enthält, desto höher ist der Anteil eines einzelnen Unternehmens, desto anfälliger ist der gesamte ETF für Schwankungen.
► Kosten: Gerade bei Sparplänen ist das wichtig, denn es werden ja z. B. jeden Monat Anteile gekauft. Kosten entstehen bei der Fondsgesellschaft selbst – hier gibt es große Unterschiede bei den Gesamtkosten (TER), selbst wenn sich ETFs auf den gleichen Index beziehen. So gibt es ETFs auf den MSCI World mit TER von 0,06 % pro Jahr, aber auch für 0,50 %, also fast 10 x so hohe Kosten. Ähnliches gilt für die Depotkosten – es gibt viele Banken und Broker, die ETF-Sparpläne kostenlos ausführen und auch keine Depot-Gebühren verlangen; andere berechnen Pauschalen von einigen Euro pro Ausführen eines Sparplans. In Summe werden dann z. B. nicht 100 Euro je Sparrate angelegt, sondern nur 95 Euro.

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Inzwischen praktisch bei jeder Bank oder Sparkasse.
Benötigt wird nur ein Depot-Konto, über das der Kauf und das Einbuchen der ETF-Anteile erfolgen. Der große Vorteil der ETFs ist, dass die Verwaltungsgebühren meist deutlich niedriger sind als bei klassischen Aktienfonds und dass es auch keinen Ausgabe-Aufschlag gibt. Insofern sind die Kosten der Geldanlage deutlich niedriger als bei anderen Geld-Geschäften. In der Regel liegen die jährlichen ETF-Kosten bei großen, weltweit anlegenden Fonds bei 0,2 bis 0,4 %; selbst bei Spezial-ETFs für bestimmte Länder oder einzelne Branchen sind selten mehr als 0,5 bis 0,7 % Kosten pro Jahr für ETFs zu zahlen.
Generell sind ETFs für beide Spar-Formen geeignet.
Ideal sind sie als Sparplan, da selbst mit kleinen monatlichen Beträgen (oft schon ab 5 Euro) ein ETF-Sparplan gestartet werden kann. Wichtig: Je nach Spar-Rate und Kurs des ETFs werden beliebige Anteile eines ETFs gekauft. Das heißt: Bei gleichbleibender Spar-Rate pro Monat werden jeweils unterschiedlich viele ETF-Anteile erworben. Ist der Kurs in einem Monat mal niedriger, kauft man etwas mehr Anteile. ETFs eignen sich auch als Einmal-Anlage, z. B. wenn eine Lebensversicherung ausgezahlt wird. Sinnvoll ist aus steuerlichen Gründen, alle paar Jahre einen neuen ETF-Sparplan zu starten. Der „alte“ ETF bleibt stehen und wächst weiter.
Ja. Auch wenn Aktien-Kurse und damit die Kurse der ETFs hoch sind (wie in den letzten Monaten, z. B. wegen des Tech-Booms in den USA) –
, Studien zeigen, dass Sparer, selbst wenn sie zu Hoch-Zeiten gestartet sind, zwar mal mit einem Rückschlag rechnen müssen, aber bereits nach ein, zwei oder drei Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer lukrativen Gewinn-Zone sind. Das heißt aber auch: ETFs sind keine Geldanlage, um Erspartes für ein paar Monate zu deponieren, weil man eine größere Ausgabe schon bereits im Sinn hat. Denn Kurs-Schwankungen gehören dazu, auch wenn längerfristig in der Regel steigende Gewinne vorhanden sind.
Generell werden ETFs immer beim Verkauf besteuert.
Das heißt, solange man einzahlt, werden keine Steuern fällig. Und besteuert wird nur der Ertrag, also die Spanne zwischen dem Wert bei Kauf und bei Verkauf. Als Steuern zu zahlen sind 25 % Abgeltungssteuer und 5,5 % davon als Solidaritätszuschlag (den gibt es hier noch) sowie Kirchensteuer. Insgesamt zahlen Kirchenmitglieder in Bayern und Baden-Württemberg 27,82 % und Kirchenmitglieder in allen anderen Bundesländern 28 % Steuern; wer nicht einer Kirche angehört, zahlt 26,38 % Steuern auf die ETF-Gewinne.

Nennenswerte Renditen, die auch die Inflation ausgleichen, lassen sich nur mit Aktienfonds erzielen. Deshalb empfehlen wir auch ETFs
Im Prinzip ja. Das Steuerrecht unterscheidet nur zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETFs, bei denen Dividenden, die der Fonds erhält, wieder angelegt werden.
Bei ausschüttenden ETFs gilt das gerade beschriebene Verfahren. In der Regel zieht die Fondsgesellschaft dies sofort ab und zahlt nur den Rest aus. Bei nicht ausschüttenden ETFs, also wenn Dividenden wieder angelegt werden (es also keinen Geld-Eingang auf dem eigenen Konto gibt), muss man eine sog. Vorab-Pauschale zahlen. Hier will der Staat nicht so lange warten, bis man Anteile verkauft, um dann den Ertrag zu ermitteln. Für die Vorab-Pauschale wird ein fiktiver Ertrag ermittelt; die fällige Steuer zieht der Broker oder die Bank automatisch ein. Für diesen fiktiven Ertrag werden ein sog. Basis-Zins für das jeweilige Jahr zugrunde gelegt sowie der Wert des Fonds am Jahresanfang und ein Umrechnungsfaktor. Wichtig für Sparer ist, dass Broker bzw. Bank die Berechnung vornehmen und dass später, wenn Anteile oder alles verkauft werden, die Vorab-Pauschale mit der tatsächlichen Steuer verrechnet wird.